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Bericht eines Betroffenen über die Spontankundgebung am Montag

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Eintrag von Cymaphore am 26 January 2011 | 4 Kommentare

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Rund um die Spontankundgebung vom vergangenen Montag gibt es mittlerweile einen Bericht der Demobeobachter vom Versammlungsbündnis, der neue bedrücktende Details zum Vorgehen der Polizei liefert. Nicht nur werden die ersten Berichte von Augenzeugen und Betroffenen der Kontrollen (wir berichteten) bestätigt, sondern es ist in dem Text auch von gezielter Provokation durch die Einsatzkräfte die Rede. Im Folgenden veröffentlichen wir den Bericht eines Betroffenen, der, wie er erzählt, im Rahmen der Spontandemo ebenfalls zum Ziel dieses fragwürdigen polizeilichen Vorgehens wurde:

Am Abend des 24.1.2011 gab es an den Anschluss zur Montagsdemo wieder eine Spontandemo. 
Dieses mal hatte die Polizei ihre Strategie geändert und anstatt Deeskalation auf Provokation und Einschüchterung gesetzt. Von Anfang an wurden die Demonstranten massivst gefilmt, was bei einer friedlichen Demonstration eigentlich gar nicht gestattet ist.
Am Ende wurden gezielt die Personalien von Leuten aufgenommen, welche bei der Demo ein Banner, eine Fahne oder ein Transparent getragen haben. Die Polizei hatte es dabei besonders auf die Mitglieder der Piratenpartei und des Versammlungsbündnisses abgesehen. 
Die Demonstranten sollen eingeschüchtert werden, damit sie in Zukunft nicht mehr von ihrem Versammlungsrecht Gebrauch machen. Bei der Aufnahme meiner Personalien wurde versucht mich in eine abgelegene Ecke zu zerren. Vermutlich wäre es nicht nur bei einer Kontrolle des Personalausweises geblieben, wenn keine Zeugen und Kameras anwesend gewesen wären.
Glücklicherweise sind andere Demonstranten auf mich aufmerksam geworden und kamen mir zu Hilfe. In der Menge der Demonstranten war auch ein Polizist in Zivil der sich unter die Demonstranten gemischt hatte, der mich herumschubste. Dieser ist auch auf einem Video zu sehen.
Als ich nach dem Grund fragte, warum gerade meine Personalien aufgenommen werden, wurde mir gesagt, ich hätte die Demonstrationroute verlassen. Die Montagsdemo sei nur für den Bereich vor dem Bahnhof genehmigt gewesen. Auf meine Bemerkung, dass dies eine Spontandemo war wurde nicht eingegangen.
Es wurde schon im voraus von der Polizei geplant dieses mal anders durchzugreifen. Es gab Vorwarnungen, dass Mitglieder der Piratenpartei verhaftet werden könnten. Dieser Einsatzbefehl kam vermutlich von oberster Ebene, und angeblich waren diesen Abend 400 Polizisten im Einsatz, deutlich mehr, als an den bisher.
Die Polizei wird wieder von der Politik benutzt und ihr wird aufgezwungen eine härtere Linie zu fahren. Vor der Landtagswahl sollen möglichst keine Demonstrationen mehr stattfinden, damit dem Wähler suggeriert wird, nach der Schlichtung können alle mit Stuttgart 21 leben.
   
In regierungsfreundlichen Medien wird auch behauptet, dass kaum mehr demonstriert wird.
Die Welt titelt einen aktuellen Artikel mit "Revolution abgesagt".
Es sollen keine Bilder durch die Medien gehen wie tausende Menschen durch die Straßen ziehen und demonstrieren. Die Schonfrist nach dem 30.9.2010 ist vorüber, jetzt setzt die Polizei wieder harte Mittel ein. Das war auch bei den letzten beiden Frühstücksblockaden zu spüren als Leute ohne vorige Aufforderung von der Polizei eingekesselt wurden. Dabei wurden auch Leute, die nicht blockierten und nur vom Bürgersteig zuschauten nicht ausgenommen. 
Wir dürfen uns nicht dadurch einschüchtern lassen, sondern jetzt erst recht unserem Protest zum Ausdruck bringen.

"Am Abend des 24.1.2011 gab es an den Anschluss zur Montagsdemo eine Spontandemo.

Dieses mal hatte die Polizei ihre Strategie geändert und anstatt Deeskalation auf Provokation und Einschüchterung gesetzt. Von Anfang an wurden die Demonstranten massivst gefilmt, was bei einer friedlichen Demonstration eigentlich gar nicht gestattet ist.

Am Ende wurden gezielt die Personalien von Leuten aufgenommen, welche bei der Demo ein Banner, eine Fahne oder ein Transparent getragen haben. Die Polizei hatte es dabei besonders auf die Mitglieder der Piratenpartei und des Versammlungsbündnisses abgesehen.

Die Demonstranten sollen eingeschüchtert werden, damit sie in Zukunft nicht mehr von ihrem Versammlungsrecht Gebrauch machen. Bei der Aufnahme meiner Personalien wurde versucht mich in eine abgelegene Ecke zu zerren. Vermutlich wäre es nicht nur bei einer Kontrolle des Personalausweises geblieben, wenn keine Zeugen und Kameras anwesend gewesen wären.

Glücklicherweise sind andere Demonstranten auf mich aufmerksam geworden und kamen mir zu Hilfe. In der Menge der Demonstranten war auch ein Polizist in Zivil der sich unter die Demonstranten gemischt hatte, der mich herumschubste. Dieser ist auch auf einem Video zu sehen.

Als ich nach dem Grund fragte, warum gerade meine Personalien aufgenommen werden, wurde mir gesagt, ich hätte die Demonstrationroute verlassen. Die Montagsdemo sei nur für den Bereich vor dem Bahnhof genehmigt gewesen. Auf meine Bemerkung, dass dies eine Spontandemo war wurde nicht eingegangen.

Es wurde schon im voraus von der Polizei geplant dieses mal anders durchzugreifen. Es gab Vorwarnungen, dass Mitglieder der Piratenpartei verhaftet werden könnten. Dieser Einsatzbefehl kam vermutlich von oberster Ebene, und angeblich waren diesen Abend 400 Polizisten im Einsatz, deutlich mehr, als an den bisher.

Die Polizei wird wieder von der Politik benutzt und ihr wird aufgezwungen eine härtere Linie zu fahren. Vor der Landtagswahl sollen möglichst keine Demonstrationen mehr stattfinden, damit dem Wähler suggeriert wird, nach der Schlichtung können alle mit Stuttgart 21 leben.

In regierungsfreundlichen Medien wird auch behauptet, dass kaum mehr demonstriert wird.

Die Welt titelt einen aktuellen Artikel mit "Revolution abgesagt".

Es sollen keine Bilder durch die Medien gehen wie tausende Menschen durch die Straßen ziehen und demonstrieren. Die Schonfrist nach dem 30.9.2010 ist vorüber, jetzt setzt die Polizei wieder harte Mittel ein. Das war auch bei den letzten beiden Frühstücksblockaden zu spüren als Leute ohne vorige Aufforderung von der Polizei eingekesselt wurden. Dabei wurden auch Leute, die nicht blockierten und nur vom Bürgersteig zuschauten nicht ausgenommen.

Wir dürfen uns nicht dadurch einschüchtern lassen, sondern jetzt erst recht unserem Protest zum Ausdruck bringen."

-- Michael, Mitglied der Piratenpartei, 25.1.2010


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Kommentare

  • @Brogmus: Demonstrationen sind also jetzt schon Unrecht, und das wahllose Rausgreifen (OHNE GRUND!) von Teilnehmern einer Demo ist demnach rechtens? Na, dann liebe Demokratie, vollends gute Nacht! ;)

    Ggf. noch mit verlinken:

    http://www.bei-abriss-aufstand.de/2011/01/26/rechtsverstoesse-der-polizei-im-rahmen-von-versammlungen-im-bereich-des-stuttgarter-hauptbahnhofs/

    Erstellt von Communique, 26/01/2011 2:20pm (vor 1 Jahr)

  • @Michael Brogmus

    Berücksichtigen Sie bitte, dass die Baumaßnahmen, gegen die hier demostriert wird, von den Interessenträgern auch auf Basis von Tricks, Lügen und Rechtsbeugung durch die demokratischen Instanzen gedrückt und geschoben wurde. Nur gibt es hier kaum eine Handhabe, dass die Polizei diese Taten aufarbeitet. Ein Unrechtssbewusstsein der Verantwortlichen ist hier nicht zu erkennen. Und jetzt wägen Sie bitte ab, was wohl bestrafungswürdiger ist: entgegen den Staats- und Bürgerinteressen ein untaugliches Megaprojekt mit Milliardenkosten mit Tricksereien zurechtdemokratisieren und durchsetzen oder die friedliche Blockade der Aufstellung eines Bauzaunes des genannten Projektes.

    Erstellt von Knut, 26/01/2011 2:14pm (vor 1 Jahr)

  • So langsam überlege ich mir ernsthaft, Mitglied bei den Piraten zu werden.
    Danke für das große Engagement für Offenheit, Transparenz und politische Teilhabe! :-) In den nächsten Jahren muss der ganze Filz und Korruptionsklüngel ans Licht gezerrt und beendet werden, damit die Bürger wieder eine Perspektive bekommen und vernünftige politische Entscheidungen entstehen.

    Oben bleiben!

    Erstellt von Knut, 26/01/2011 1:59pm (vor 1 Jahr)

  • Ich finde es gut das die Polizei härter durchgreift

    Wo das hinführt sieht man ja auch in diesem Artikel. Unrechtsbewusstsein = 0.

    Das ist das Problem. Wenn die Polizei zu lange zu viel toleriert erweckt das den Eindruck es sei legal.

    Erstellt von Michael Brogmus, 26/01/2011 1:56pm (vor 1 Jahr)

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