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Stuttgart demonstriert für Trennung von Staat und Kirche

Am Karfreitag ist es wieder soweit: In Stuttgart werden wir PIRATEN gemeinsam mit den Humanisten, den Jungen Sozialisten, der Giordano-Bruno-Stiftung und den Climax Institutes wieder eine Tanzdemonstration für die Trennung von Staat und Religion ausrichten. An diesem Tag sind nach wie vor Tanzveranstaltungen, sportlicher Wettkampf –  auch Schachturniere – und die öffentliche Aufführung bestimmter Filme verboten. 

Nach wie vor genießen die Kirchen in Deutschland Priviliegien im Bereich des Arbeitsrechts und der Finanzierung. Aber auch die Wahl der Feiertage in der Bundesrepublik und die an Feiertagen geltenden Regelungen sind stark an den Werten und Traditionen der christlichen Kirchen orientiert. Die Piratenpartei fordert ein Ende dieser Bevorzugung und demonstriert am Karfreitag für einen säkulären Staat.

„Noch immer werden Minderheiten durch die Kirchen ausgegrenzt. Das ist nicht mit unseren Grundwerten vereinbar und muss schleunigst unterbunden werden. Wir fordern ein sofortiges Ende der Privilegierung dieser Institutionen, im Arbeitsrecht, in der Finanzierung und im Feiertagsgesetz. Der Staat darf keine grundrechtsfreien Zonen zulassen“, kommentiert Michael Knödler, Kandidat für den Gemeinderat Stuttgart für die Piratenpartei.

Freitag, 19. April, ab 17:00 auf dem Karlsplatz in Stuttgart.

Für die Beschallung sorgt die „Black Pearl“ von VTS-Heyl. Aufgrund des Orgelkonzerts, welches ab 19 Uhr in der Stiftskirche beginnt, wird die Versammlung um 19 Uhr zu einer Laufdemo, um das Konzert nicht zu stören. Die Route führt über die Dorotheenenstr. über den Charlottenplatz Richtung Hauptbahnhof quer über den Arnulf-Klett-Platz und endet am Börsenplatz. 

9 Kommentare zu “Stuttgart demonstriert für Trennung von Staat und Kirche

  1. Jörg stigler

    Meine lieben Piraten,
    Wenn ihr so sehr auf dieses Tanzverbot besteht und auch nicht wegen der Kirche zur Rücksichtnahme in der Lage seid- dann verzichtet doch bitte auch auf den Feiertag und geht arbeiten. Ihr Rosinenpicker🙄

    • Bernhard H.

      Ich muss an Feiertagen auch arbeiten. Daher möchte ich mir nicht vorschreiben lassen, welche Aktivitäten ich alle zu unterlassen habe, so auch das Tanzen. Die Umwandlung zu einem normalen Feiertag befürworte ich daher!

  2. Jörg stigler

    Ach ja, und noch eins. Nur mal so zum Nachdenken, jeder kirchliche Feiertag ist ja nach eurer Lesart in einem freien und offenen Europa nicht mehr zeitgemäß. So von wegen aufoktroyierter Feiertagsruhe und dem Verbot arbeiten zu dürfen. Also sollten wir doch dann konsequenterweise alle kirchlichen Feiertage abschaffen. Das ist dann am Ende des Tages wohl auch der Grund, warum ihr nicht mehr gewählt werdet, oder? Denn das Häuflein heute Nachmittag war ja alles andere als repräsentativ.

  3. Walter Gerhäuser

    Sie möchten dann auch die Feiertage abschaffen?

  4. Jörg stigler

    Ich finde auch, man sollte die kirchlichen Feiertage abschaffen. Dann gäbe es keine Bevorzugung, jeder der nicht arbeitslos ist kann arbeiten gehen und und man fühlt sich auch nicht durch überflüssige Freizeit benachteiligt.
    Und dann auch an zwei Tagen im Jahr zum Nicht- Tanzen und zur Ruhe gezwungen werden ist ohnehin eine Frechheit.
    Es hätte sogar noch einen Vorteil, ich müsste nicht mehr Rücksicht nehmen auf die Interessen derer, die den Karfreitag oder Ostern für wichtig halten.
    Ich hoffe, ihr hattet trotzdem ein friedvolles und fröhliches Osterfest.

  5. Michael Knödler

    Sehr geehrter Herr Stigler,

    wir haben nicht vor die Feiertage abzuschaffen. Bezahlt werden die Feiertage auch nicht von der Kirche sondern von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wenn wir einen Tag mehr arbeiten, dann müsste der Arbeitgeber auch dem Arbeitnehmer mehr bezahlen, oder wie in der Vergangenheit, als der Feiertag am Buß und Bettag abgeschafft wurde, erklärten sich die Arbeitgeber dafür bereit die Pflegeversicherung mitzufinanzieren.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Buß-_und_Bettag

    Mit freundlichen Grüßen, Michael Knödler

  6. S-Bahn-Freund Stuttgart

    Liebe „Piraten“,

    Nicht alles, was die Kirche macht, fördert und verlangt ist richtig. Und dass die Kirche Privilegien hat, die abgeschafft gehören, denke ich auf jeden Fall auch.
    Was hier aber gefordert wird, halte ich für nicht richtig!
    Der Kirche, die auch ein Stück unserer Kultur ist und unser Land, ob wir es nun gut finden oder nicht, geprägt hat, sollte man trotzdem einen gewissen Stellenwert einräumen. So lange durch den Feiertag niemand benachteiligt wird, was hier augenscheinlich nicht der Fall ist, sollte man ihn nicht willkürlich abschaffen oder „freigeben“. Ich denke (und das ist natürlich nur meine persönliche Meinung), dass auch die Tradition und Geschichte, aus der wir in Deutschland kommen, einen Stellenwert haben sollte, so lange sie unseren freiheitlichen Grundrechten nicht widerspricht oder andere Gruppen benachteiligt. Dazu gehört aber auch, dass man Rücksicht nimmt. Einer Religionsgruppe ihren höchsten Feiertag (!) mit einer bewusst provozierende Demonstration zu zerstören bzw. „entheiligen“, um das so einmal zu sagen, trägt nicht zu einem friedlichen und anerkennenden Miteinander verschiedener religiöser Gruppen in unserem Land bei. Ganz abgesehen davon: würde man etwa auf die Idee kommen, das Weihnachtsfest so zu „nutzen“? Etwas mehr gegenseitiges Verständnis und Toleranz für religiöse Feste würde ich mir von ihnen sehr wünschen, zumal ich glaube, dass dann mehr Menschen ihr eigentlich in weitesten Teilen sehr gutes Parteiprogramm unterstützen würden!
    Über eine Rückmeldung freue ich mich natürlich!

    Freundliche Grüße von einem toleranten Mitbürger!

  7. Johannes Hohfeldt

    “Noch immer werden Minderheiten durch die Kirchen ausgegrenzt”

    Echt, jetzt? Kann nicht erkennen, dass das ein Wesensmerkmal wäre, welches den Kirchen besonders eigen wäre. Das gibt es doch auch in anderen fast praktisch allen gesellschaftlichen Gruppen.

    Die Maßnahme, ausgerechnet am Karfreitag demonstrativ zu tanzen, überzeugt vielleicht als „Zeichensetzung“-ist aber in meinen Augen sehr konstruiert: nur weil es ja den freien Tag gibt, haben Leute überhaupt Zeit zu tanzen oder irgendwas anderes schönes zu machen. So zu tun, dass einem Grundrechte genommen werden ist dasselbe Maulen wie Schützenvereine maulen, wenn man ihnen vorschreibt, die Flinte im Schrank zu lassen. Dafür gibt es dann Zustimmung. Dabei handelt es sich in wie so vielen Fällen darum, wie man maximale individuelle Freiheit mit einem Minimum an unnötiger Provokation und hinreichender Berücksichtigung der Belange einer pluralen Gesellschaft zusammenbringt.

    Von plumpen pauschalen Hatespeach gegen Kirchen sollte wir Abstand nehmen. Das ist nicht förderlich. Wenn wir die bedeutsamen Sachen der Leute angreifen, machen wir uns Feinde. Es gibt kein Umkehrschluss, dass man alles gut heißen muss oder die Klappe halten. Aber man kann abwägen, kooperieren:

    wenn du heute dein Fest hast, dann habe ich meines morgen. Weil es dir Gegenüber etwas heute oder im Zusammensein mit mir etwas bedeutet, wie ich mich gebe und verhalte, werde ich mich heute oder in deiner Gegenwart dem unterordnen: denn ich will nicht bewusst provozieren und in Frieden zusammenleben.

    Denn zu einem anderen Zeitpunkt, wenn es meine Belange besonders betrifft, will und darf ich Rücksichtnahme vom Mitmenschen einfordern.

    Hier geht es um viel, viel mehr im gesellschaftlichen Miteinander, als was man hier mit einem hippen und fancy erscheinenden Aktion zu erreichen versucht. Aber am Ende kaputt macht.

    • Hallo Herr Hohfeldt,

      ich will versuchen, Ihre Punkte der Reihe nach zu beantworten.

      Dass Kirchen nicht die einzigen Gruppierungen sind, die diskriminieren, ist uns durchaus bewusst, Das macht aber nichts besser. Wir protestieren allerdings dagegen, dass die Kirchen, welche ein eigenes Arbeitsrecht haben, dazu gemäß selbst gegebener Spielregeln befugt sind, wohingegen Gesetze für alle nicht-kirchlichen Gruppen das zu Recht verbieten.
      Und das obwohl die Kirchen – neben den Kirchensteuern – auch an diversen Stellen staatlich alimentiert werden.
      Unser Protest richtet sich also hier klar dagegen, dass Kirchen Dinge erlaubt werden, die unser Staat zu recht verbietet.

      Dass wir am Karfreitag demonstrieren hat verschiedene Gründe. Einer davon, ist, dass der Karfreitag ein sogenannter „stiller Feiertag“ ist, was wir gern abschaffen würden. Dazu gleich mehr.
      Es ist aber auch ein Tag, an dem unser Anliegen wahrgenommen wird. Ich denke, es ist jedem klar, dass eine Demonstration, die niemand bemerkt, sinnlos ist. Und dass das Grundgesetz das Demonstrationsrecht besonders schützt ist auch hinreichend bekannt.
      Zum Thema „stille Feiertage“ : Zunächst mal garantiert unser Grundgesetz die Religionsfreiheit, und ausdrücklich auch die Freiheit von Religion. Niemand darf zu religiösen Handlungen gezwungen werden. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass wir uns nicht gegen die Existenz von Feiertagen stellen, auch nicht gegen religiöse, wir aber eine religiöse Bevormundung nicht akzeptieren wollen.
      Wenn in irgend einem Club getanzt wird, bekommt das außerhalb des Clubs niemand mit. Dennoch wird es verboten, weil eine winzige Minderheit sich davon angeblich gestört fühlt. Gleichzeitig wird dieses Privileg, also anderen Menschen den Spaß verbieten zu dürfen, nur einer einzigen Religion gewährt, was klar verfassungswidrig ist.

      Zum Hatespeech: Wo Sie den gefunden haben, weiß ich nicht. Ich denke, wir haben unsere Position klar gemacht (und das ist unser – wiederum durchs Grundgesetz verbrieftes – gutes recht). Die Piratenpartei stellt sich gegen jeden Hass. Aus Hass entsteht nie etwas gutes.

      Nochmal in aller Deutlichkeit:
      Wir wollen niemandes Religion angreifen. Ganz im Gegenteil. Ganz im Sinne des Grundgesetz stehen wir in aller Klarheit für das Recht eines jeden, seine Religion frei auszuüben. Oder auch keine auszuüben. Wir stehen aber gegen eine religiöse Bevormundung von dritten. Und wir stehen für eine Gleichberechtigung aller Religionen, und auch der Religionslosen.
      Gerne respektieren wir alle möglichen Feiertage, nicht nur aber auch der christlichen Religion. Es kann aber nicht sein, dass das bedeutet, dass selbst dort, wo ganz eindeutig niemand gestört wird, Regeln einer Glaubensgemeinschaft über den Regeln der Zivilgesellschaft stehen.

      Ich hoffe, unsere Position wurde damit etwas klarer?

      Freundliche Grüße

      Oliver Burkardsmaier

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