Allgemein KV Stuttgart

Stuttgart – im Schatten eines Reaktors

Noch vor der Sommerpause wird der Bundestag über eine Anpassung der Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken entscheiden, die auch die beiden Reaktoren in unmittelbarer Nähe von Stuttgart betrifft. Wird dieses Gesetz angenommen, bleibt zumindest einer der beiden Reaktoren (GKN 1) des Kernkraftwerks Neckarwestheim permanent abgeschaltet. Der zweite Reaktor (GKN 2) allerdings soll als Teil des „Sicherheitspuffers“ bis 2022 in Betrieb bleiben[1]. Somit wird es noch für voraussichtlich elf Jahre mitten in einer der am stärksten bevölkerten Metropolregionen Deutschlands einen Atomreaktor geben.

Leben mit dem Restrisiko

Kernkraftwerk Neckarwestheim: 20km Zone und 30 km Zone ... Piratenpartei StuttgaIn Stuttgart lebt man mit dem „Restrisiko“: Der größte Teil der Stadt befindet sich innerhalb der 30-km-Zone (siehe Bild). Das ist der Bereich, der für Jahrzehnte zur Sperrzone werden würde, wenn sich im Atomkraftwerk ein katastrophaler Unfall ereignen würde. Innerhalb dieses Bereiches leben aktuell ca. 1,5 Millionen Menschen[2].

Wohin mit dem Abfall?

Die Nettoleistung der verbleibenden neun Reaktoren beträgt zusammen ca. 12.068 MW[3]. Die Kernenergie hat daher aktuell nur noch einen geschätzten Anteil von ca. 12,6 % an der Stromproduktion in Deutschland[4].

Pro Jahr produzieren die deutschen Reaktoren hunderte Tonnen hoch radioaktiven Abfall. Die technischen Möglichkeiten zur Wiederaufbereitung sind grundsätzlich begrenzt, ein Endlager gibt es nach wie vor nicht. Ein solches Lager muss schließlich gewährleisten, dass tausende Tonnen hoch radioaktive Stoffe für einen extrem langen Zeitraum, Experten sprechen von mindestens 200.000 Jahren[5], sicher eingeschlossen sind. Das übersteigt unsere technischen Möglichkeiten bei weitem.

Aber auch das nicht mehr zu leugnende Scheitern der verfehlten schwarz-gelben Energiepolitik ist kein wirklicher Grund zur Freude. Zu eng sind nach wie vor die Bande zwischen den großen Energieerzeugern und der Politik. Es gilt zu hoffen, dass nicht eine Rückkehr zu großen Kohlekraftwerken als Grundlastträger erfolgt, sondern dass die Politik endlich das volle Potential regenerativer Energiegewinnung erkennt und fördert.

Erneuerbare Energien als Chance für die Wirtschaft

Deutschland kann zum Marktführer ökologisch nachhaltiger Energiegewinnung werden, wenn Politik und Wirtschaft innovativen neuen Ideen aufgeschlossen gegenüber steht, anstatt sich an längst überholte Konzepte zu klammern.

Atomstrom darf nicht mehr länger künstlich billig gehalten werden, indem wesentliche Aspekte wie die Entsorgungskosten des Atommülls sowie das Unfallrisiko sozialisiert werden[6]. Die Betreiber dagegen machen mit betriebswirtschaftlich abgeschriebenen Kernreaktoren Milliardengewinne. Dieser Sachverhalt muss – auch gegen den Willen der Betreiber – unbedingt geändert werden, und zwar nicht erst, wenn das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz geht.

Quellen

0 Kommentare zu “Stuttgart – im Schatten eines Reaktors

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.